Tagebuchdepression

… hatte ich nicht. Aber nach meinem Kurdisaster (Kind 1 krank, Kind 2 krank, ich krank, beide Kinder krank usw.) habe ich mit 39 Fieber und einem von Brechdurchfall geplagten Kind die Heimreise angetreten. Der Anmichrangetraute war mittelschwer beeindruckt, dass er 3 körperliche Wracks, die Ähnlichkeit mit seiner Familie hatten, zurück bekommen hat. Also nichts mit aufgeladenen Batterien und so. Ich war locker noch 7 Tage krank, bevor ich wieder zur Arbeit gegangen bin.

In dieser Zeit habe ich mich besser erholt, als in den 3 Wochen an der Ostsee. Nein, die Unterbringung war gut, das Essem toll und die Angebote an Therapien, Vorträgen und Freizeitangeboten, wenn ich hätte teilnehmen können, wirklich vielfältig. Die Belegschaft der Kurklinik konnte auch nichts für die sich immer weiter ausbreitende Magen- und Darmgrippe oder grippalen Infekte mit Fieber. Daran waren mehr die selbstsüchtigen Muttis schuld, die ihre Kinder fröhlich, trotz Quarantäne, in Kinderclub, Schwimmbad oder Cafeteria geschickt haben, damit sie entweder selber an all ihren Therapiemaßnahmen teilnehmen konnten oder weil sie gemeinsam mit ihren Kindern Spaß haben wollten. Krankes Kind hin oder her. Wir haben Spaß. JETZT!

Als ich so siechend hernieder lag, hatte ich auch endlich Zeit zu verarbeiten, was mich in den drei Wochen am meisten mitgenommen hat. Obacht, jetzt kommt eine persönliche Wertung: Der hartherzige, brutale, unmenschliche, hirnrissige und empathielose Umgang einiger Mütter mit ihren ausgelieferten, ungeschützten und doch so zuckersüßen, noch kleinen Kindern. Ich habe so manche bittere und hilflose Träne um diese kleinen Menschlein geweint. Natürlich findest du immer und an jeder Ecke einen ungefragten Ratgeber der dir dann erklärt, dass du das nicht so nah an dich heran lassen darfst, dass du dir deine eigenen glücklichen Kinder angucken sollst und dass man eben gut für die entsprechende Mutter sorgen musst, damit sie dass irgendwann an ihre Kinder weiter geben kann. Soll ich sagen was ich in solche. Momenten denke (das Tagebuch ist übrigens nur für Erwachsene geeignet) ?

Ich denke: “ Fick dich ins Knie du blöder Idiot. Und ja, fick dich gleich nochmal“. Zeit meines Lebens erzählt man mir, dass das nicht gut, professionell, gesund ist, wenn ich mitfühle. Wenn ich so etwas wie dort geschehen ist, am besten unter den Teppich kehre,  mein Maul halten soll, tun als wäre nichts geschehen. Dann kommen Vorträge dass es ja noch viel schlimmeres gibt und dass das, wenn ich noch mal in Ruhe darüber nachdenke, echt nicht sooooooo schlimm war. Abgrenzen soll ich mich.

Ganz ehrlich ? In jungen Jahren habe ich über so etwas nachgedacht und versucht anders zu sein. Heute wünschte ich mir, es gäbe mehr solcher Leute die hinsehen. Menschen die sich nicht abgrenzen, die aufpassen, die sagen dass das nicht okay ist, was passiert. Anscheinend, wenn man sich die ganzen Facebook Themen und Wahlergebnisse anschaut, sind ja ziemlich viele mit unserer Gesellschaft unzufrieden. Wenn einige der Kinder die ich in der Kur habe leiden sehen, zu erwachsenen Menschen heran reigen, kann zukünftig nichts besser werden. Den Zwergen mangelt es an nichts Materiellem (obwohl ich mehrfach gesehen und gehört habe das Mahlzeiten der Kinder zur Bestrafung abgebrochen wurden), aber an jeglicher menschlicher Zuwendung. Und verdammt noch mal, für die gestressten, hysterischen aber vor allem ausschließlich Ich-bezogenen Müttern, die den Namen eigentlich nicht verdienen, wurde dort in der Kur alles mögliche getan um ihnen zu helfen. Den Stress zu reduzieren, zu reflektieren, zu entspannen, Spaß zu haben. Für die Kinder gab es keine Hilfsangebote, außer sie möglichst den ganzen Tag von ihrer Mütter zu trennen, damit sie ein paar Stunden aufatmen können. Also die Kinder.

Ich war nur ein einziges Mal bei der hauseigenen Sozialpädagogin und der Grund war einfach: Ich ertrage den Umgang einiger Frauen mit ihren Kindern nicht. Ich hatte ernsthaft Angst zu eskalieren. Noch ein Morgen im Speisesaal neben dem Monster im Mutterkostüm und ich dachte, gleich verdresche ich sie…..

Natürlich war das Fazit, dass wir nichts tun können. Die Erfahrung zeigt, dass das Jugendamt am Wohnort, sofern informiert, einen angekündigten Hausbesuch macht und das wars dann auch. Leider. Dennoch hat mir das Gespräch gut getan. Die Therapeutin sagte mir, dass sie auch nicht verstehen könne, warum heute nur noch wenig Eltern einen Schritt zurück treten können um ihren Nachwuchs groß zu ziehen. Einfach eine zeitlang die Kinder in den Mittelpunkt stellen. Stattdessen steht immer nur das eigene Ich im Mittelpunkt: Ich will aber ausschlafen, in Urlaub fahren, mit Freunden feiern, arbeiten, Sport machen, stundenlang für mich shoppen, meinem Hobby frönen. Ich, ich, ich und trotzdem ein bis vier Kinder haben. Und im Grunde den ganzen Tag nur damit hadern, was man jetzt alles nicht machen kann. Wegen dem Kind/den Kindern.

Das bedeutet ja auch nicht, dass diese Dinge nicht wieder kommen. Aber alles zusammen ist mit kleinen Kindern oft nicht gut zu vereinbaren. Man muss Abstriche machen um den eigenen Nachwuchs groß zu ziehen. Eigentlich sollte das doch selbstverständlich sein. Die Sozialpädagogin hat mich trösten wollen indem sie mir gesagt hat, dass Studien belegen, dass Kinder die unter solchen schrecklichen Bedingungen aufwachsen, immer noch eine Chance haben, liebevolle, mitfühlende Erwachsene zu werden, wenn es in ihrem Umkreis nur eine Person gibt, die praktisch verrückt ist nach diesem kleinen Menschlein. Und so liege ich abends immer noch im Bett, stelle mir die Kinder vor und hoffe inständig, dass es im Hintergund noch eine Oma/einen Opa, einen Vater, eine Erzieherin oder Lehrerin gibt, die dieses Kind annimmt und liebt. Einfach so wie es ist: Einzigartig und wunderbar. Und so denke ich an die Worte mit denen sie mich entlässt: Das Eltern die ihre Kinder wirklich schwer mißhandeln, in der Öffentlichkeit dafür sorgen überhaupt nicht negativ aufzufallen. Das die Mütter, die sich nicht zusammen reißen können, wenn ein ganzer Speisesaal zusieht, auch im geschützen Zimmer nicht viel schlimmer sind zu ihren Kindern als in der Öffentlichkeit. Ich fühle mich nicht getröstet und bin kein bisschen beruhigt.

Ich gehe also weiterhin an Zimmern vorbei in denen Kinder schreien. Ich melde an der Rezeption das Kind, dass ohne Schuhe und Strümpfe auf den Balkon gesperrt wurde (im 4. Stockwerk). Ich schlucke einen Großteil meiner Verachtung und meines Hasses hinunter, wenn ich Gespräche mitanhören muss in denen frau sich gegenseitig  versichert, dass ein Klaps noch niemandem geschadet hat und schließlich jemand diesem Gör endlich mal zeigen muss, wo es lang geht. Die selbe Scheiße wie bei Hunde-, Pferde- und Katzenhaltern.

Und irgendwann ist es dann ja auch geschafft und die 3 Wochen sind um. Gelernt habe ich, dass ich mich nicht ändern kann und nicht ändern will. Außerdem will ich mich mit solchen Menschen nicht mehr abgeben. Wenn ich trotzdem dazu gezwungen bin, will ich auch zukünftig nicht mein Maul halten. Ich will nicht beschönigen, verharmlosen oder wegsehen. Ich will aufstehen, mit dem Finger auf sie zeigen und sagen “ Ich sehe dich. Was du machst ist falsch, schlecht, kein bisschen in Ordnung und nein, es ist ganz und gar nicht deine Sache“.  Egal ob für Mensch oder Tier.

Ich  weiß jetzt besser als je zuvor, dass ich meine häusliche, heile Welt brauche, um all den Wahnsinn der der da draußen geschieht, noch einige Jahre zu ertragen ohne zu verzweifeln. Ich wusste vorher schon, dass keiner von uns perfekt ist. Was bedeutet das auch schon und wer legt das überhaupt fest? Aber selbst wenn ich einen beschissenen schlechten Tag habe, gebe ich als Mutter mein Bestes und das reicht aus. Daran zweifle ich nie wieder.Für diese Erkenntnis war der Kuraufenthalt dann also vermutlich gut.

Nächstes Mal dann hier wieder unbedeutende Alltagsklünglei.

Gehabt euch wohl und bis die Tage,

Dagmar

Hatschi

Dank einer kleinen Facebookumfrage, habe ich jetzt erst mal Schreibstoff für gefühlt jeden Tag dieses Jahres. Prima. Auf euch ist echt Verlass Leute. Vielen Dank für eure Anregungen.

Heute erzähle ich euch, warum ich auch an tiefschwarzen Tagen meines Lebens immer wieder die Kurve kriege und Spaß empfinde. Ich speichere in meinem Kopf eine Menge unnützes Wissen. Situationskomik, Dialoge, Witze. Nichts davon speichere ich freiwillig, das passiert einfach so. Ich kann es aber jederzeit abrufen und das ist wirklich ein Geschenk. Na gut, manchmal überfällt es mich auch einfach. Mit einem Bein stehe ich immer im Landeskrankenhaus, weil ich, wenn das Kopfkino erst mal läuft, nicht mehr anhalten kann. Aber was ist das Leben ohne Risiko ?

Beispiel ? Ich sitze im Wartezimmer eines Arztes. Es ist voll, es ist warm, der Lesestoff ist scheiße. Ich daddele im Smartphone herum und lese den Namen meiner Freundin und Trainerkollegin Hanna. Wie aus heiterem Himmel denke ich an einen sommerlichen Nachmittag vor 7 Jahren. Mein Hundeplatz besteht aus 2 Plätzen. Einem Kleinen, ganz umgeben von Lebensbäumen und ,verbunden durch eine Pforte, einem großen Platz. Auf dem kleinen Platz wartet ein Hund mit seinem Mensch. Hanna soll vor den beiden davon laufen und sich verstecken. Dann sollen Mensch und Hund suchen. Ich stehe auf dem großen Platz und will filmen. So weit klar ?

Ich rufe „Hanna“ und drücke auf play. Hanna erscheint in der kleinen Pforte. Einen Moment sieht es so aus, als überspränge sie gazellengleich die Steinkante zwischen den Plätzen. In der Realität bleibt sie mit einem Fuß hängen. Bei mir, in der vollen Arztpraxis sitzend, läuft jetzt das Kopfkino in Slowmotion.

In allen Details sehe ich Hannas lachendes Gesicht, dass sich in Zeitlupe in einen verwunderten, leicht debilen Ausdruck verwandelt, weil eines ihrer Beine nicht mitkommen mag. Der Kopf schwenkt langsam von meiner Kamera weg, nach vorne unten. Es sieht aus, als suche sie etwas wichtiges im Gras. Das verhakte Beinchen entscheidet sich doch noch mitzukommen, was den Körper noch etwas beschleunigt. Leider sind Kopf und Hals schon meilenweit von den Beinen entfernt. Die Ärmchen flattern. Es scheint als haben die Füße einen eigenen Willen und versuchen jetzt doch noch den Körper einzuholen. Hanna läuft also fast horizontal über eine Strecke von ungefähr 20 Meter an mir vorbei. Sie fängt sich wieder, lacht in die Kamera und versteckt sich wie besprochen. Kein Drama meint ihr ? Stimmt. Lustig schon, besonders wenn man dabei war, aber sonst nicht der Rede wert.

Jaha, säße ich nicht in einem Wartezimmer und hätte meine rechte Gehirnhälfte nicht im Zusammenhang mit Hannas Namen, diese Zeitlupenaufnahme in meinen Kopf gebeamt. Ich mache einmal „mmmmmhhmmm“, was als räuspern durchgehen könnte. Ist es aber nicht. Es ist die Vorhut. Lachpetting. Ein bisschen Spucke fliegt aufs iPhone. „Nein, nein, nein,“ denke ich ohne unterlass und spüre den nächsten Lacher aus dem Bauch heraus im Hals aufsteigen. Ich weiß genau wie das endet, glaubt mir. Darum lasse ich das Telefon verschwinden und suche panisch nach Taschentüchern. Eigentlich hatte ich vor so tun, als lache ich über etwas im iPhone. Dafür wird man nämlich nicht eingewiesen. Ein Taschentuch ist aber wichtiger, weil bei einem Lachflash Körperflüssigkeiten fließen: Tränen, Rotz, Spucke.

„Kawusch“ ich sehe Hannas Ärmchen flattern. Ich heule/schnäuze in mein Tuch. „Kawusch“ Hannas Köper dehnt sich auf 10 Meter. Meine Schultern zucken, ich keuche und jeder Anwesende schaut mich alle paar Sekunden an. „Kawusch“ Hannas Gesichtsausdruck in der Kamera. Hoffentlich hält meine Teenalady. „Kawusch“ Hannas Beinchen rennen ihrem Körper hinterher. Ich lasse los. Und lache. Und lache und heule und lache. Ich hab übrigens in so einer Situation noch nie einen ganzen Raum zum lachen gebracht, wie man das immer in den hübschen Bus und U-Bahn Filmchen sieht. Vermutlich weil ich nicht lauthals lache. Ich höre mich an wie ein asthmakranker Ertrinkender. Ich keuche, röchele, huste. Ich winde mich. Ich verschlucke mich, ich belle heiser, kurz, ich flippe mit allen möglichen Glucks- und Gurgelgeräuschen aus. Wenn ich Glück habe erlöst mich irgendwann eine Arzthelferin. Wenn nicht, geht das bis zur totalen Erschöpfung. Vorausgesetzt ich kann wieder reden und jemand fragt was so lustig ist, sage ich Sachen wie: “ Meine Freundin ist früher mal gestolpert, hahahaha“. Weißt du WIE BESCHEUERT sich das anhört ???

Und so will ich alleine nicht weiter leben. Ich will euch infizieren. Ich habe gut aufgepasst als die großartige Vera F. Birkenbihl (Gott hab sie selig) über Meme referiert hat. Ihr könnt das googeln. Gute Meme verbreiten sich weltweit, schlechte sterben aus. Am Beispiel eines Witzes: Ein guter Witz wird weiter erzählt und überlebt Generationen oder wandert um die Welt, ein schlechter nicht, er stirbt aus. Jetzt kommen wir zum eigentlichen Thema, der Überschrift. An einem verregneten Werktag vor vielen, vielen Jahren, hab ich mich in einer Raucherpause mit einer Kollegin untergestellt. Ich musste niesen und habe mich standartmäßig entschuldigt, weil ich sehr laut, sehr enthusiastisch und ein bisschen feucht niese. Ich habe schon oft vergeblich versucht, das zu unterdrücken und mir die Nase zugehalten. Dann pruste ich durch den Mund. Es geht einfach nicht. Ich habe immer die Frauen bewundert, die tonlos mit einem kleinen Kopfnicken und einem eleganten „püh“ niesen. Bis zu diesem verregneten Tag vor vielen, vielen Jahren. Da vertraute mir die Kollegin fröstelnt an, dass man am Niesen der Frau ihr Temperament im Bett erkennt. Das war jetzt schamhaft umschrieben. In Wirklichkeit hat sie „Orgasmusfähigkeit“ zu mir gesagt. Was das für mich bedeutet war mir an diesem Tag total unklar. Ich hab ein bisschen gelacht und Geschichten gesponnen, aber mein Unterbewusstsein hat dieses Mem ganz tief in mein Gehirn gebrannt. Unlöschbar. Ich bin mir sicher, fiele ich ins Koma, ich würde das nach dem Aufwachen noch wissen. Seit diesem Tag bin ich immer und überall gefährdet, weil Frauen um mich herum niesen.

Hab ich den Püh-Nieser-Typ mit im Raum, brauche ich all meine Impulskontrolle um nicht „du armer Schatz“ laut zu sagen. Niest meine Kollegin, sage ich meist statt Gesundheit „du geile Sau“. Ich habe diese vermeintliche Wahrheit nie wieder vergessen. Und ihr jetzt auch nicht mehr. Es gibt so viele unterschiedliche Nieserinnen dass es eine wahre Wonne ist zu spekulieren: Exotisch, pervers, verknöchert, frigide, langweilig, Naturkatastrophe. Ich wünsch euch in künftigen Meetings, Schulungen, Großveranstaltungen, Wartezimmern, öffentlichen Verkehrsmitteln und anderen Feierlichkeiten ganz, ganz viel Vergnügen falls eine Dame niest. Und bitte nicht lachen. Oder doch, dann aber richtig. Und schreibt mir bloß, wie es war!!!  Wenn ihr jemanden mitinfizieren wollt, tut euch keinen Zwang an. Das Leben ist zu kurz zum Trübsal blasen.

In diesem Sinne: H AAAA T S C IIII !

Gehabt euch wohl und bis die Tage,

Dagmar

 

Hormone

Während ich weiterhin damit beschäftigt bin, bei Facebook einfach nur weiter zu scrollen um nicht zu lang damit in Berührung zu kommen, welche kranke Gesinnung der ein oder andere an den Tag legt (damit meine ich nicht nur Flüchtlingshetze sondern auch den Drang einiger Leute, nur schlechte Nachrichten zu teilen) bleibt es hier nett. Oftmals kann ich mich nicht entscheiden was ich als nächstes schreibe und so kommt dann gar nichts zustande. Ich muss hart an mir arbeiten Texte zu schreiben und unter Entwürfen zu speichern, um sie an einem anderen Tag zu veröffentlichen. Meist bin ich so froh wenn hier etwas steht, dass ich es auch raus hauen will.

Heute also meine Erfahrungen mit Hormonen.

Schon bevor ich damals wußte dass ich schwanger bin, war ich bereits ein Spielball meiner Hormone. Ich erinnere mich genau, dass ich auf der ersten großen Hundeschulweihnachtsfeier vor lauter Rührung in Tränen ausgebrochen bin. Einfach so. Weil so viele Leute da waren, weil Weihnachten vor der Tür stand, weil ich so abgearbeitet war, weilmalles einfach schön war. Mumpitz, das waren Schwangerschaftshormone. Aber wer rechnet schon mit solchen Biestern, nach 10 Jahren erfolglosem Vermehrungsversuch?

In den kommenden Wochen und Monaten bekam der Spruch, dass man sein Herz außerhalb des Körpers trägt, eine ganz neue Bedeutung. Ganz entgegen meiner vorherigen Gewohnheit  hat mich alles angefressen oder zutiefst berührt: Verbale Seitenhiebe, Zuwendung, Liebesromanzen, Musik, Gerüche, Gedanken. Eine ständige Achterbahn der Gefühle. Anstrengend und ungewohnt zugleich. Selbstverständlich habe ich während ich in der Hormonschaukel saß, geschworen, alles wäre wie immer 😁.

Ich weiß, dass 2006 die Fußballweltmeisterschaft stattgefunden hat, weil ich mich ständig euphorisch oder am Rand der Verzweiflung vor dem Fernseher wieder gefunden habe. Wen interessiert schon, dass ich Fuball im normalen Leben langweilig, uninteressant und blöd finde….?! In dieser Zeit war ich so gefangen von den Spielen, dass ich oft dachte ich kriege das Kind jetzt sofort auf dem Sofa.

Und dann waren da noch die olympischen Winterpiele. Die Eröffnung war an einem Morgen, an dem auch der Anmichrangetraute zu Hause war. Wir wollten gemütlich zusammen frühstücken und so machte er sich auf den Weg zum Bäcker um frische Brötchen zu holen. Mich ließ er entspannt auf dem Sofa sitzend zurück. Die Fahrt zum Bäcker dauert ca. 2 Minuten. Nehmen wir an es war noch ein Kunde vor ihm dran, macht ungefähr 4 Minuten, 2 Minuten Rückfahrt. Summa summarum 8 Minuten Abwesenheit.

Als er die Wohnung wieder betrat fand er mich tränenüberströmt und rotzverschmiert auf dem Sofa. Ich wurde so sehr von Schluchzern geschüttelt, dass ich kein Wort hervorbringen könnte. Ich weiß dass ich ihm eine Scheißangst eingejagt habe, aber ich war außer Stande das zu ändern. Tränen spritzen mir aus den Augen und extrem peinliche Klagelaute tönten durch den Raum. Ich war fix und fertig.

Der Anmichrangetraute dachte zuerst, jemand aus unserer Familie sei gestorben. Dann, ich hab das Kind verloren. Zum Glück hat er wieder alles verworfen aufgrund der kurzen Zeitspanne in der er weg war und blieb ratlos. Unschwanger wäre das bestimmt als mittelschwere Nervenzusammenbruch durchgegangen….Je mehr er nachfragte was geschehen ist, desto mehr regte ich mich auf weil mir bewusst wurde, was alles geschehen KÖNNTE !!!! Er hat mich 10 – 15 Minuten getröstet bis ich wieder reden konnte. Was war geschehen ?

Ich habe eher zufällig die Eröffnungsfeier der olympischen Spiele eingeschaltet. Ich war schon zu Tränen gerührt, als die deutschen Sportlern einmarschierten. Ich gnickerte also schon leise vor mich hin, als ein afrikanischer Staat angekündigt wurde. Leider weiß ich nicht mehr welcher. Die Kommentatoren ließen sich darüber aus, dass nur ein Sportler an den Spielen teilnimmt und sein Land zu vertreten. Und dann kam er. Nach Gruppen von Menschen für verschiedenen Nation, kam da dieser einzelne Mann der über das ganze Gesicht strahlte wie ein Honigkuchenpferd. Und die Landesfahne hat er gechwenkt, voller Stolz und Freude. Hinter ihm marschierte schon die nächste Nation ein und da ging es mit mir durch.

Dieser Mann tat mir so unheimlich leid. Niemand mit dem er Freud und Leid teilen konnte. Und dieser Erfolgsdruck. Allein für eine ganze Nation ! Unvorstellbar. Es hat mir schier das Herz zerrissen. In echt.

So hat der Anmichrangetraute mich dann gefunden. Nachdem klar war, dass niemand gestorben ist und vermutlich auch in den nächsten Stunden niemand sterben wird, hat er sich übrigens ausgiebig totgelacht. Wie immer.

Hormone kann ich also uneingeschränkt empfehlen.

Gehabt euch wohl und bis die Tage,

Dagmar

Käsekuchen

Typisch. Das war eins dieser Wochenenden an dem keine Zeit für gar nichts war. Gut, ich könnte jede Menge schreiben, aber ich habe keine Lust mehr.

Jetzt meckern nicht, hast du mal auf die Uhr gesehen wie spät es schon ist ? Siehste.

Darum schreibe ich jetzt noch, wie neulich versprochen, den weltbesten Käsekuchen auf. Ich koche ja gerne und ganz gut (glaube ich) und backe erbärmlich. Darum freue ich mich über einfache, leckere Rezepte. Das hier ist eins. Es wird alles nur zusammen gerührt. Probier es doch einfach mal aus.

125 Gramm Butter
4 Eier
300 Gramm Zucker
1 Pck Vanillezucker
Saft und Schale einer Zitrone (also ehrlich, ich nehme Zitroaroma und Zitroback)
1 Rumaroma

Das alles schlägst du zusammen schaumig.

1000 Gramm Magerquark
1 Pck Vanillepudding
2 EL Gries
1 Pck Backpulver…

werden separat auch zusammen gerührt.
Dann mischt du beides zusammen, füllst es in eine gefettete
Springform und lässt das ganze im schon vorgeizten Ofen, bei 150 Grad,
1 Stunde backen. Auskühlen, Puderzucker druff, fertig. So lecker!

Wenn du auch ein Backversager bist und es trotzdem ausprobiert hast,
melde dich doch mal, wie es dir geschmeckt hat.

Gehabt euch wohl und bis die Tage,

Dagmar

Yeah!

Noch 2 Wochen und der Rest von dieser und dann fahre ich mit den Kindern in die Mutter-Kind-Kur. Witzig, was für Reaktionen das manchmal auslöst. „Was fehlt dir?“ haben mich einige Mitmenschen gefragt. Ich habe erst mal in mich gehorcht. Mir fehlt nichts. Ich habe eine Familie, 2 Jobs, einer sichert meine Existenz, einer macht mich glücklich. Ich habe einen Dödi. Meine Eltern leben noch und vergöttern ihre Enkelkinder. Mir fehlt wirklich nichts, ich fühle mich sogar privilegiert. Eine solche Kur tritt man aber auch nicht an, weil einem etwas fehlt, sondern damit es so bleibt. Das, gebe ich zu, wußte ich bisher nicht. Sonst wäre ich schon längst gefahren. Mein letzter Urlaub war 2004. Da waren die Kinder noch nicht geboren. Ich brauche nicht so unbedingt wegfahren, ich fühle mich zu Hause sehr wohl. Dennoch gibt es Tage, in denen ich mich fühle wie im Hamsterrad. Ich bin sicher, die meisten von euch kennen das. An einem besonders anstrengenden Tag im letzten Jahr, habe ich deswegen Erkundigungen eingezogen. Wie wird so etwas beantragt. Wem steht das zu ? Ich weiß, dass es da draußen Mütter und Väter gibt die härter arbeiten als ich, mehr Kinder haben, weniger Geld, weniger Gesundheit, weniger Nerven. Darum war ich echt überrascht, dass der Sinn einer solchen Kur tatsächlich ist, die Batterien aufzuladen. Etwas für sich zu tun, was nicht Arbeit ist.

Frau muss nicht total am Ende sein, unheilbar krank, alleinerziehend mit 10 Kindern und im Plattenbau einer Großstadt wohnen. Das fand ich toll. Durch ein freies Mütterhilfswerk habe ich mir die Unterlagen besorgt. Einen Zettel bekommt der Hausarzt zum ausfüllen. Gemeinsam haben wir geguckt, wie es mir so geht. Übergewicht – Check, rauchen – Check, manchmal schlaflos – Check, bisschen Schilddrüsenkram – Check, Knicksenkspreizfüße – Check. Nichts weltbewegendes. Beim ausfüllen der Selbstauskunft bin ich dann doch manchmal ins Grübeln gekommen. Alleinerziehend oder Mann mit häufigem Abwesenheitszeiten – Check, Kinder unter 10 Jahren – Check, Job – Check (da war nur Platz für einen, ich hab trotzdem 2 rein geschrieben, weil ich bei beiden fast gleich viel Zeit verbringen), pflegebedürftige Angehörige – Check gleich zwei. Zusammen mit dem Haus, den Gärten, dem schulischen Drumherum  hätte ich mich fast selber bemitleidet. Auf dem Papier sah das ganz schön Horror aus. Dabei ist es das gar nicht. Das ist mein Lebensplan. Den hab ich mir so ausgesucht. Ich bin nicht fremdbestimmt. Ich will alles und möglichst viel davon. Das musste ich mir nach dem Ausfüllen erst mal wieder klar machen und schon ging es mir besser. Puh.

Die Zusage der Krankenkasse kam dann rasant schnell innerhalb einer Woche. Ich hab sogar vorher noch einen Anruf bekommen, in dem man mir mitteilte, dass man die Bearbeitung schnell voran treiben wolle. Was für ein toller Service. Da ich noch nie zur Kur war, wurde ich natürlich auch gefragt, wann ich fahren wollte und vor allem wohin. Hm, im Grunde war mir das egal. Da ich mir etwas aussuchen durfte, wünschte ich mir einen Platz am Meer und so schnell wie eben ein Platz frei war. Jetzt geht es also im Februar an die Ostsee. Gleich tauchten wieder kritische Stimmen auf. Warum fährst du nicht im Sommer ?? Warum fährst du nicht an die Nordsee/Berge/in die Nähe einer Stadt.

Erstens haben meine Kinder noch nie das Meer gesehen und wünschen sich das sehr. Ich mag die Ostsee schon immer. Vermutlich weil das Wasser immer da ist :). Natürlich wäre auch ein Besuch im Sommer schön. Wenn ich aber nicht alles falsch verstanden habe, dann geht es darum, dass ich meine Akkus wieder aufladen soll. Je eher desto besser. Ich freue mich so darauf nicht abzuwaschen, nicht einzukaufen, keine Telefonate, keine Mails, kein Unterricht, keine Seminare, keine dienstlichen Konflikte. Jede Menge Zeit für die tollsten Kinder der Welt. Genau, ich habe nicht vor, meine Kinder den ganzen Tag fremd betreuen zu lassen. Selbst wenn das ginge. Ich möchte 3 Wochen Zeit mit ihnen verbringen, an die wir uns hoffentlich noch sehr, sehr lange erinnern werden. Einfach mal raus aus dem Alltag. Lediglich den Anmichrangetrauten und den Dödi werden wir sehr vermissen. Mein Mann arbeitet in dieser Zeit halbtags und hat so genug Zeit, sich mit dem verlassenen 3. Kind zu beschäftigen. Die beiden haben ja reichlich Übung und praktizieren das auch, wenn ich an Seminarwochenenden nicht da bin. Darüber muss ich mir wirklich keine Gedanken machen.

Und so beginne ich langsam die Tage zu zählen, bevor wir aus dem Alltag ausbrechen. Die Kinder werden ein Minimum an Schulunterricht haben ( 1,5 Std am Tag) und einige andere erfreulichen Dinge habe ich über unser Kurhaus schon erfahren. Es ist recht klein mit 50 Gästen die aufgenommen werden können. Es liegt direkt am Strand und mittags und abends esse ich mit meinen Kindern im Appartment. Das finde ich richtig toll. Nur morgens gehen wir in den Gemeinschaftsfrühstücksraum. Es gibt ein Schwimmbad im Haus und natürlich Spielkameraden und jede Menge Angebote. Derweil kaufen wir schon wieder Bücher, damit wir es uns bei schlechtem Wetter richtig gut gehen lassen können. Spiele nehmen wir auch genug mit. Ich bin mir sicher, „Pie Face“ wird der Renner :D.

Ich finde das hört sich richtig großartig an! Und so freuen wir uns trotz aller Unkenrufe weiter.

Ein paar Tage bleibe ich euch aber noch erhalten. Wenn ich gut drauf bin, schreibe ich vielleicht noch ein paar Artikel vor, damit es hier nicht gleich so still wird.

Also, immer mal wieder vorbei schauen !

Gehabt euch wohl und bis die Tage,

Dagmar

So langsam…

…komme ich wieder rein in die Schreiberei. Mir hat tatsächlich etwas gefehlt. In der Zwischenzeit sind meine Kinder in der Lage Bedürfnisse zu artikulieren, ihre Körperausscheidungen zu kontrollieren und das gibt mir durchaus wieder Luft etwas zu tun, was mir Spaß macht. Schreiben. Nebenbei vernichte ich noch eine Packung Toffifee und verhindere, dass die Zwerge fett werden. Gute Muddi.

Natürlich ist es nicht so, dass mir jeden Tag so unglaublich witzige Dinge passieren, dass ich euch hier mit Lach- und Sachgeschichten zuschütten kann. Oder anders ausgedrückt, hier passieren sehr oft saulustige Dinge, die ich nicht aufschreiben kann um die Würde und Anonymität meiner Familie nicht zu gefährden. Der Spaß hört auf, wenn meine Kinder Nachteile erfahren, weil ihre Mutter ein Onlinetagebuch führt.

Das sind der Gründe genug. Darum wird es hier in den Beiträgen (nein, das ist kein Posting und ich blogge auch nicht) sehr oft belanglos. Es wird laaaaangweilig. Die Lachgeschichten sind ab und an Bobons, wie Feiertage die auf einen Werktag fallen. Also gewöhnt euch hier lieber nicht ein. Es wird so unspektakulär. Nullachtfuffzehn.

Ich habe heute, während ich meinem Tagwerk nachging, überlegt was ich schreiben könnte. Die Küchenrubrik ist zum Beispiel noch leer. Dabei verbringe ich viel Zeit in meiner Küche. Ich bin gerne dort. Wenn ich nicht zufällig schon 2 Jobs hätte, würde ich den ganzen Tag mit Lebensmitteln herum experimentieren. Es gibt natürlich schon sehr viele Foodblogs. Gute und Schlechte. Darum habe ich mich für ein belangloses Tagebuch entschieden. Die gibt es nicht so oft. Hier kann ich noch glänzen und die Spitze der Charts anführen. Ich bin MoB – Mother of Belanglosigkeit.

Eines Tages teile ich mit euch das weltbeste Käsekuchenrezept meiner lieben Ex-Kollegin Daniela. Noch ist es aber nicht soweit.

Bevor das passiert, würde ich mich gerne noch ein bisschen besser vorstellen. Damit ihr wisst mit wem ihr es zu tun habt. Im Gegenzug würde ich mich über ein paar Kommentare freuen. Ewig muss ich bei Facebook nachgucken, wie euch der Eintrag gefallen hat. Das tut doch nicht Not, dafür hat es ja die Kommentarfunktion. Also traut euch. Ich habe gestern mit großer Freude gesehen, dass auch Zugriffe aus Polen, Frankreich und den Niederlanden dazu gekommen sind. Herzlich Willkommen, liebe Menschen. Ihr seid am Rande des Harzes gelandet, genauer in Südniedersachsen. Dem kleinsten Landkreis dieses großen Bundeslandes. Nicht mehr lange, bald fusionieren wir zu einem Großkreis, aber noch ist es nicht soweit. Ich wohne zufällig im größten und schönsten Dorf Niedersachsens. Mit fast 5.000 Einwohnern lebt es sich hier optimal. Anonym genug um nicht von jedem alles zu wissen, dörflich genug um in jedem Geschäft namentlich angesprochen zu werden. Die Lebensbedingungen sind super. Es gibt ausreichend viele Einkaufsmöglichkeiten, Ärzte, Schulen und für die Kinder so gut wie jede Möglichkeit der Freizeitgestaltung. Alles können sie mit dem Fahrrad oder zu Fuß erreichen. Wir haben ein über hundertjähriges Häusschen im Dorfkern für uns gefunden, dass mit 2.000qm genug Platz für Tierhaltung und die Leidenschaft des Anmichrangetrauten bietet: Die Erhaltung und Vermehrung alter Obssorten. Gemach, eines Tages schreibe ich vielleicht einen Artikel über all das was in unseren diversen Gärten wächst….

Wo war ich ? Ach, ich wollte mich vorstellen. Ich glaube nicht, dass ihr mich besser kennen lernt, wenn ich euch mit Eckdaten wie Schuhgröße, Sternzeichen und Mädchennamen versorge (alles drei unglaublich peinliche Dinge bei mir!!!!!!!!!). Ich versuche das jetzt einfach mal viel persönlicher und individueller zu gestalten.

Also, ich kann nicht ungerade Beträge tanken. Das regt mich auf. Dann tanke ich weiter bis zum nächsten geraden Betrag. Auch wenn der Sprit mal überläuft. Watt mutt dat mutt. Ich bin außerdem eine Nachteule. Das bedeutet nicht zwangsläufig, dass ich ein Langschläfer bin. Ich hege immer noch die schwache Hoffnung, dass wenn ich es bis zur Rente schaffe, ich nach einigen Wochen süßen Nichtstun, auch wieder länger schlafen kann. Derzeit ist es aber so, dass ich abends und nachts zur Hochform auflaufe. Ich finde nur schwer ein Ende und genieße, nachdem die Kinder im Bett sind, meine Erwachsenenzeit. Mir fallen 124 Sachen ein, die ich tun könnte: Bücher schreiben, meinen Schrank ausmisten, die Hundeschulhompagetexte überarbeiten, meine Gitarre stimmen, Handarbeiten erlernen, ein Buch lesen, einen Film gucken, ein Hörbuch hören, den eigenen Hund trainieren, den Kindern Liebesbriefe für die Brotdosen schreiben und und und….

Während ich noch überlege was davon ich am dringendsten tun möchte, ist es Mitternacht und ich muss ins Bett. Der Wecker klingelt so brutal früh um 5.30 Uhr, dass eben diese 5 1/2 Stunden Schlaf für mich das absolute Minimum sind (damit am nächsten Tag in meiner Nähe niemand zu Tode kommt). Wobei wir beim nächsten Punkt wären. Es ist total gut, dass ich der Welt erst nach der 1. Tasse Kaffee und einer gewissen Akklimatisierung entgegentrete. Direkt nach dem aufwachen bin ich nämlich extrem schlecht gelaunt. Das wissen auch schon lange meine Kinder. Ich bin von 7 Uhr bis 24 Uhr einen nette Mutter. In der Zeit dazwischen eher nicht. Es passt perfekt, dass der Anmichrangetraute jederzeit aus dem Schlaf gerissen werden kann und immer gleichbleibend geduldig und lieb ist. Ihm versagen eher abends die Nerven, wenn er nach einem langen Tag einfach nur seine Ruhe will. Wir ergänzen uns perfekt in dieser Sache.

Das Morgenmuffelsyndrom hab ich schon immer. Das hat sich nicht irgendwann entwickelt. In Krisenzeiten kann ich das wundervoll für mich nutzen. Der 1. Liebeskummer, Ärger mit dem Finanzamt, ein unangenehmes Gespräch mit Kollegen/Chef/Kunden ? Morgens ist mir das pupsshietegal. Von 8 Uhr bis zum Einschlafen mache ich mir Gedanken über Gott und die Welt. Nach dem Aufwachen: Pffff, mir doch egal. Sollte jemals ein Serienmörder bei mir einsteigen, wäre ich nach dem 1. Kaffee ein leichtes Opfer. Trifft der Arme die falsche Entscheidung und dringt hier im Morgengrauen ein, überlebt er das nicht. Ich würde sein Pipimännchen in der Schranktür einklemmen oder mit dem Pantoffel darauf einschlagen und meinen gesamten Fäkalsprachwortschatz auf ihn herunter prasseln lassen. Den würde ich fertig machen, fragt nicht.

In meine Lebenszeit fallen ja viele historisch bedeutsame Ereignisse. Ich erinnere mich daran, dass meine Mutter früh morgens in mein Zimmer gestürmt kam und glücklich rief:“ Stell dir vor, die Mauer ist weg!“ Ich zog die Mundwinkel nach unten und dachte: „Ey, sag mal spinnt die. Wir haben gar keine Mauer, wir haben einen Jägerzaun.“ Man war ich sauer. Nachdem sie das Mißverständnis aufgeklärt hatte und mir versuchte zu erklären, WAS da geschehen ist, dachte ich unentwegt:“Mir doch egal“. Ja, ich weiß, sagt nichts. Später am Tag fand ich das dann ja auch richtig super. Sollten wir also mal früh am morgen telefonieren, wißt ihr Bescheid. Einfach nur atmen, das kann ich gerade so tolerieren. Sollten wir uns sehen, einfach nicht ansprechen, ruhig stehen bleiben und keinen Blickkontakt aufbauen. Auf keinen Fall irgendwas flöten. Das ist irgendwie so ein Bäckereifachverkäuferinnending. Die flöten extrem „GUTEN MORGEN. WAS KANN ICH DENN FÜR SIE TUN.“ Ich denke „sterben“ und sage „5 Brötchen“. Sie „NORMALE ? *flöööööt*. Ich „Nein, Verrückte“. Lassen wir das, ich hab euch ja jetzt hier gewarnt.

Ich hab aber natürlich auch extrem liebenswerte und charmante Züge. Ich lache furchtbar gerne. Für meinen Geschmack leider zu selten. So richtige Lachflashs ereilen mich leide nur ca. 2 x im Jahr. Häufig ist Situationskomik der Auslöser, manchmal aber auch einfach nur, dass ich Kopfkino bekomme. Mir fallen zu den unpassendsten Gelegenheiten plötzlich und nicht steuerbar, komische und lustige Begebenheiten ein. Das ist ein bisschen so, als wenn man merkt, dass man niesen muss. Das Lachen sitzt zuerst noch im Bauch, kitzelt aber schon im Hals. Ich versuche noch mir auf die Lippe zu beißen oder mich in die Hautfalte zwischen Daumen und Zeigefinger zu kneifen. Vergeblich. Der erste hörbare Lacher kommt womöglich noch ein bisschen wie ein Husten an. Wenn ich jetzt den Raum/das Meeting/den Gottesdienst/die Prüfung verlasse, behalten mich die Anwesenden als normalen Menschen in Erinnerung. Obwohl ich mich seit rund 45 Jahren kenne und weiß was passiert, bleibe ich dennoch sitzen. Es folgen schluckende-würgende Geräusche, die bei vor mir sitzenden Menschen für ungute Gefühle sorgen. Manchmal versuche ich noch mir eine Hand vor den Mund zu pressen (zu diesem Zeitpunkt schüttelt es schon meinen ganzen Körper und mir laufen die Tränen übers Gesicht). Vergeblich. Mit dem nächsten Lacher pruste ich durch die Nase, rotze mir dabei auf mein Oberteil und dann war es das……Mir bekannte Personen halten oft  noch ein paar Sekunden stand, obwohl sie ja gar nicht wissen, warum ich so entgleise und prusten dann mit. Nicht selten mit dem Finger auf mich zeigend, damit auch jeder weiß dass ich damit angefangen habe. Solche Begebenheiten sind natürlich hoch peinlich, aber unfassbar befreiend. Ganz blöd läuft es, wenn ich diejenige bin, die ein Seminar gibt. Trotzdem hoffe ich, dass ich das noch 100.000 in meinem Leben erleben darf. Weitere Absonderlichkeiten und Facetten meiner Person, erfahrt ihr, wenn ihr dran bleibt.

Gehabt euch wohl und bis die Tage,

Dagmar

 

Bullerbü

… ist hier. Ich bin so verdammt froh, mir hier meine kleine Nische geschaffen zu haben. Noch nie habe ich den Besuch von Facebook und Co. so belastend empfunden wie im Moment. Verdammt, ich will gar nicht wissen was in den Köpfen all dieser Leute vorgeht, bin aber gezwungen es zu erfahren. So viel und schnell kann ich gar nicht weiterscrollen, wegklicken und blockieren wie sich dort Abgründe auftun.

Die Welt braucht mehr Lach- und Sachgeschichten !! Bereit ?

Dann los…

Im Jahr 2000 arbeitete ich in Göttingen bei einem Verkehrsverbund.
Trotzdem fuhr ich morgens mit dem Auto zur Arbeit. Geht doch nichts über Radio hören und ein Kippchen schmauchen, bevor der Tag los geht.

Es war Sommer und tierisch heiß. Ich fuhr einen recht altersschwachen Opel Kadett und der stand wegen des Wetters unabgeschlossen, mit heruntergekurbelten Fenstern, auf dem Hof.
Die ganze Nacht. Am nächsten Morgen fuhr ich wie immer zur Arbeit. Während des Vormittags fragte mich meine Kollegin, ob ich sie in
der Mittagspause zu einer Autowerkstatt fahren kann, weil ihr Wagen dort zur Reparatur stand. Natürlich, ich bin schließlich kein Kollegenschwein.

Während wir zur Werkstatt fuhren, schlug besagte Kollegin
vor, auf dem Rückweg ein Wettrennen zu veranstalten. Wer zuerst wieder am Arbeitsplatz sei, bekäme ein Stück Kuchen. Hintergrund war, dass sie erst vor kurzem aus Frankfurt nach Göttingen gezogen war und sich noch nicht besonders auskannte. Sie wollte wohl mir
und sich beweisen, dass es nun langsam mit der Orientierung bergauf ging.

Nun mag ich Kuchen nicht besonders, aber ich hasse ihn auch nicht.  Ich bin allerdings wahnsinnig ehrgeizig was Autowettfahrten angeht. Also habe ich die Wette angenommen. Ich wartete bei der Werkstatt (ca. 30 Grad im Schatten), während die Kollegin (nennen wir sie Ulla) die Formalitäten klärte, brav mit heruntergekurbelten Scheiben
(zu der Zeit träumte ich noch von einer Klimaanlage) und laufendem Motor.

Als Ulla vom Hof fuhr, gab ich ebenfalls Gas und so standen wir noch
gemeinsam an der 1. Ampelkreuzung. Dann folgten weitere Ampeln. Ich immer auf der linken Spur, Ulla auf der Rechten, wobei sie mich irgendwann aus den Augen verloren hatte und nie nach links sah. Ich lachte mich derweil kaputt weil ich winkend genau neben ihr stand und sie stur gerade aus sah, hoch konzentriert, weil unsere Arbeitstelle gar nicht so leicht wieder zu finden war.

Immer wenn die Ampel auf grün sprang, gab ich Gas. Alle Fenster waren unten und meine Haare wurden ganz schön in Unordnung gebracht. Ich weiß, dass sich das was ich jetzt beschreibe völlig dämlich anhört, aber als ich so dahin fuhr, wirbelten meine Haare durch die 4 offenen Fenster schön herum. Nur nicht am Hinterkopf.
Das war mehr ein Gefühl, als dass ich intensiv darüber nachgedacht hätte, ich war ja viel zu beschäftigt nach Ulla Ausschau zu halten.

Dann wieder eine rote Ampel. Kein Fahrtwind. Kein Haarefliegen.
Und weiter geht’s. Haare auf Sturm, nur nicht am Hinterkopf.
Nächster Stop, alles okay. Weiterfahren und Haare wirbeln, dieses Mal am GANZEN Kopf, aber irgendwie nicht mehr im Nacken…..komisch, aber keine Zeit darüber nachzudenken.

Wir näherten uns der Kreuzung an der wir links Richtung Stadthalle abbiegen mussten um den richtigen Weg einzuschlagen. Geradeaus dagegen, fährt man in die Fußgängerzone. Da sollte man aber an
einem Donnerstagmittag auf auf keinen hineinfahren.
Heißt schließlich FUSSGÄNGERzone. Nun, an der Ampel sah ich Ulla wieder neben mir stehen, sie mich allerdings nicht. Ich stand auf der Linksabbiegerspur und sie auf der die geradeaus führt. Das war mir nun doch ein wenig unheimlich und ich winkte und klopfte, aber sie sah
partout nicht herüber. Die Ampel sprang um, ich bog ab und sah noch wie Ulla fröhlich die Fußgänger aufmischte. Ich war hin und her gerissen zwischen  hysterischem Lachen und „Ach du SCHEISSE“.

Während ich also wieder fuhr, sah ich plötzlich aus den Augenwinkeln auf meiner rechten Schulter einen Schatten. Nun wird es Zeit, dass ich erzähle, ich gehöre eher zu den überlegten, bedachten Typen. Anders kann ich mir nicht erklären, warum ich nicht gleich nachschaute, was das war. Eine Millisekunde redete ich mir noch ein, dass es  mein Kragen ist, der im Fahrtwind flattert.
Ich hatte aber an meinen T-Shirt keinen Kragen…

Gut, dann muss es ein Schmetterling sein. Eben ein ganz, ganz Großer, dem Schatten aus den Augenwinkel nach zu urteilen.
Bitte Gott, LASS ES EINEN SCHMETTERLING SEIN, betete ich. Meinetwegen auch einen Nachtfalter.  OH BITTE !

Ich überlegte während der weiterfahrt krampfhaft, welche Tiere noch in meinem Auto sein könnten. Spinnen ???!!!!
Ich ekle mich grundsätzlich vor allen Tieren die mehr als 4 Beine haben
(Blutegel haben keine, deswegen mag ich sie ja). Noch mal kurz nach rechts geschielt und mir brach der Schweiß aus. Wenn das eine Spinne ist, sagte ich mir, dann muss das dem Schatten nach mindestens eine Tarantel sein.

So. In diesem Moment strömte eine nicht geringe Menge Adrenalin und Cortisol durch meinen Körper. Ich weiß echt nicht warum die
Leute Bungee Jumping machen oder so einen Käse. Ich begann wirklich alles von weit weg zu hören, nahm dafür meine Umgebung  haarscharf wahr und meine Nerven waren zum zerreißen gespannt. Ich schwitze wie ein Schwein, dabei hatte ich immer noch nicht hingesehen und betete, wünschte, ja flehte bloß einen blöden Schmetterling herbei.

Alles was ich im letzten Absatz geschrieben habe, dauerte in Wirklichkeit natürlich nur 5 – 8 Sekunden. Mein Verstand
arbeitet auf Hochtouren…….WAS WAR AUF MEINER SCHULTER UND WARF EINEN S C H A T T E N ????
Ich sah nach rechts und blickte nur Zentimeter entfernt in ein haariges,
schwarzes Gesicht mit funkelnden Augen.
Erwähnte ich schon, dass ich kreischende Weiber zutiefst verabscheue ?Nun, ich ließ sozusagen den Urschrei schlecht hin los. Dass ich mir nicht in die Hose gepinkelt habe, ist nur meiner Körperverkrampfung geschuldet ! Das Ding auf meiner Schulter, nicht bange, schrie zurück und zwar laut !

Dann habe ich als erstes meinen Wagen abgewürgt und zwar volle Pulle. Als nächstest (ich hab früher viele Bruce Lee Filme gesehen) katapultierte ich das schreiende Etwas (oder schrie ich immer noch, hm?) mit einem gezielten Handkantenschlag in den Fußraum des Beifahrerraumes.

Wie in Trance ließ ich den Wagen an und fuhr weiter. Komisch gell, ich
meine diese Reaktion. Aber dann kam das große bInnern. Ich schlackerte, zitterte, wackelte am ganzen Körper und kramte verzweifelt in meinem geschockten Hirn nach dem Gesicht,
dass ich gerade einen Zentimeter von meinem Gesicht entfernt gesehen hatte. Ich habe in meinem ganzen Leben noch nie einen solchen Schrecken erlebt. Ich hab mich mehrmals im Rückspiegel angesehen, weil ich überzeugt war, meine Haare wären mit einem Schlag schlohweiß geworden. Ehrlich.

Seit ihr mit dem Aufbau des Spannungsbogen zufrieden ?

Wenn man einen solchen Schock erlebt wie ich in dem Moment, dann kann man überhaupt nicht nachdenken. Ich kannte das Gesicht, ich wusste nur kein Wort für das Tier. Ich war so beschäftigt damit zu zittern, zu fahren und dabei ängstlich den dunklen Fußraum auf der Beifahrerseite zu beobachten, dass es ein echtes Wunder ist, dass ich keinen Unfall baute. Mir war plötzlich klar, warum meine Haare an bestimmten stellen nicht geflattert haben im Fahrtwind, nämlich weil „ES“ dort saß. Dann muss es sich weiterbewegt haben in den Nacken. Dort fühlte es sich dann an, als flatterte mein Kragen, dabei hatte ich doch keinen Kragen. Arrrrrgggghhh !!!!

Und dann viel mir auch wieder das Wort zu dem Gesicht ein:

Fledermaus !

Auf meiner Schulter hatte mit ausgebreiteten Flügeln eine Fledermaus
gesessen. Fledermaus. Ich habe gar keine Angst vor Fledermäusen. Das heißt aber nicht, dass ich mich nur wenige Zentimeter vom Gesicht entfernt, gerne von ihnen anbrüllen lassen. Ich war so geschockt, dass ich begann wie eine schwachsinnige zu lachen (meine Kollegen werden wissen was ich meine), vor Glück dass es keine Tarantel war und weil lachen immer noch besser ist als flennen.

Ich weiß nicht mehr wie ich auf den Parkplatz gekommen bin. Aber bevor das Auto stand, war ich schon draußen. Natürlich war meine Kollegin noch nicht da, die kurvte fröhlich in der Fußgängerzone
umher. Ich hibbelte auf dem Parkplatz herum wie aufgezogen.

Geschüttelt von Lachkrämpfen und Selbstgesprächen
(„Ach du Scheiße, das glaubt mir wieder keiner“), konnte ich nicht eine
Minute still stehen. Ich glaube das nennt man Stressabbau. Minuten später kam Ulla an. Sie stieg lachend aus dem Auto und sagte:
„…Hahaha, weißt Du wo ich war ?“.

Ich: „Schnauze, ich hab eine Fledermaus im Auto !“

Sie: “ ,,,,ich war in der Fußgängerzone, da darf man gar nicht rein…..“

Ich: “ ULLA…ich habe eine FLEDERMAUS im AUTO!“

Sie: „Du hast den Kuchen gewonnen….bist du schon lange da ?“

Ich: „Kannst Du mich hören….HALLO….ich habe eine Fledermaus im Auto“

Sie: „Ich komme aus Frankfurt, ich habe Angst vor Tieren…..“.

Wir gingen gemeinsam zum Wagen und ich erzählte in Kurzform meine
Geschichte. Staunendes Schweigen. Ob ich sicher sei, dass es eine Fledermaus gewesen wäre. Zwischenzeitlich war ich nicht mehr sicher, obwohl ich am Abend vorher nichts getrunken hatte. Das Ganze war dermaßen unwirklich. Vielleicht war es doch ein Schmetterling ?
Haben die nicht auch Gesichter ? Aber schreien die auch zurück ?

Schnell war klar, die Maus muss raus. Ich konnte unmöglich die 35 km lange Heimfahrt antreten mit einer Fledermaus die sich IRGENDWO in meinem Auto aufhielt. War sie überhaupt noch am Leben ?Ohnmächtig?Ich meine, meine Handkantenschläge sind nicht von schlechten Eltern.
Ich tat also, was getan werden musste (wie Clint Eastwood früher) und
öffnete die Beifahrertür. Nichts zu sehen im Fußraum. Wieso sind die Gummimatten eigentlich immer schwarz und nicht weiß?

Ich hatte jedoch einen heißen Verdacht ! Bestimmt saß das Biest unter dem Beifahrersitz. Jeder weiß, dass es Fledermäuse gerne dunkel mögen. Sollte ich drunter schauen ? Ich habe als Jugendliche ziemlich viele Horrorstreifen gesehen, obwohl ich sie nicht mag. Mir war klar, dass sobald ich unter den Sitz sehen würde die Maus  durchstartete, gradewegs in mein Gesicht. Das wollte ich nicht. Aber im Auto sollte sie auch nicht bleiben. Also habe ich mich mit äußerster Zurückhaltung in den Wagen gebeugt und nach vorne gelehnt. Auf Hilfe von Ulla,
war nicht zu hoffen. Sie stand einige Meter entfernt und brabbelte: „Angst, Frankfurt, ohne Tiere aufgewachsen, beißen die“……und solche Dinge.

Das hat meine nervliche Anspannung nicht gerade beseitigt. Aber es nütze ja nichts, Dreibeiner (also Männer) waren wie immer keine in der Nähe (wenn man sie mal braucht).
Folgendes Bild:
Ich kniee im Fußraum des Auto, geöffnete Beifahrertür, und luke unter den Sitze, als Ulla anfängt zu brüllen :
“ DAAAA IST SIIIIEEEEEE“.
Im Nullkommanix bin ich (obwohl sonst unsportlich) hochgeschossen und mit dem Kopf unter das Wagendach geknallt. Als ich wieder einigermaßen denken konnte, hüpften wir beide kreischend (schon zum zweiten Mal. Herrje) über den Parkplatz.

Ich: “ Wo wo wo wo wo wo wo……..

Sie: “ Da da da da da da da da ……….

Die arme Fledermaus hing an meiner Beifahrertür (Kopf nach unten
logischerweise) und sah völlig fertig aus mit der Welt. Ehrlich gesagt, wirkte sie auf einmal regelrecht klein. Aber sie hatte ja auch die Flügel zusammen gefaltet. Das zu meiner Ehrrettung.

Ich ging hin und versuchte sie mit meinem Haustürschlüssel zu überreden, das Futter meiner Türverkleidung loszulassen.
Aber sie wollte nicht. Ich versuchte es weiter, da fing die Arme wieder an zu schreien. Nee, es war mehr ein piepsen und schon ging mir das Herz über. Der arme Schatz.

Muss sich nachts verflogen haben und in meinem Auto gelandet sein. Dann tagsüber bei der Bullenhitze ist sie am Sitz hochgekrochen. Da der Kadett Kopfstützen mit großen Löchern drin hat, wohl geradewegs  hindurch und auf mein Haupthaar. Na ja, den Rest der Geschichte kennt ihr. Ich war dann so beschäftigt damit, mir auszumalen, dass es bestimmt noch eine Baby-Fledermaus ist, die ich nun von Familie und Schwarm getrennt habe, dass ich keine Probleme mehr hatte, den
kleinen Schreihals in die Hand zu nehmen und im angrenzenden Park fliegen zu lassen.

Abends erzählte ich dem Anmichrangetrauten die Geschichte und er hörte zu, ohne mit der Wimper zu zucken oder gar zu lachen. Als ich aber zu der Stelle mit dem Handkantenschlag kam, sagte er voll Empörung und mit tiefer Abscheu: “ Spinnst Du, die stehen
unter Naturschutz. Was soll die denn jetzt in Göttingen machen ?“

Darauf weiß ich bis heute keine Antwort. Ich weiß, ich bin ein
Scheusal….*schnief*. Die Geschichte hätte aber auch eine andere Wendung nehmen können. Ich hätte einen Unfall verursacht, die Fledermaus wäre durch die geöffneten Fenster hinaus geflogen und der eintreffenden Polizeistreife hätte ich lallend berichtet:
Ich hatte eine Fledermaus im AUTO…..

Ich glaube, ich säße heute nicht hier.

Deswegen schließt eure Fenster. Gehabt euch Wohl und bis die Tage,

Dagmar